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Stadtbetriebshof ins Dillfeld! Das Stadtbetriebsamt soll nach einem Bericht der WNZ einen neuen Standort in der Spilburg erhalten. Nur wenige hundert Meter Luftlinie des von der Stadt so stark favorisierten, von vielen Bürgern heftig bekämpften, Edelbaugebiets Rasselberg entfernt. 142 Beschäftigte sollen 120 Fahrzeuge im täglichen Betrieb bewegen und das idyllische, hochwertige Baugebiet durch zusätzlichen Verkehr, Abgase und Lärm in ummittelbarer Nähe entwerten, das plant derselbe Bauderzernent, der immer wieder so eindringlich die Vorzüge des naturgeprägten Baugebiets Rasselberg für junge, gut situierte Familien preist. Argument für diese Verlagerung des geplanten Stadtbetriebsamtes vom Hörnsheimer Eck zum Spilburggelände ist die erwartete Kosteneinsparung, obwohl bis heute nicht klar ist, ob Grundstück und Hallen an der Henri-Duffat Straße überhaupt veräußert werden sollen, oder welche Kosten die Umrüstung für die neuen Betriebszwecke verursachen werden. Meist werden Umnutzungen ja sehr viel teurer als geplant... Muß man den Herrn Stadtrat eigentlich erinnern? Die Stadt besitzt ein erschlossenes Grundstück im Dillfeld in ummittelbare Nähe eines neuen Logistikzentrums mit aller Infrastruktur. Die bisher vorgesehene Nutzung, auf diesem Grundstück Strom für Buderus Edelstahl aus Müll zu erzeugen, ist nach hartem Widerstand durch die Wetzlarer Bürger, Gott sei Dank, entfallen. Trotzdem ist das städtische Gelände noch immer keinem neuen Zweck zugeführt. Herr Hauptvogel, Sie wollten eine Idee für die Verwertung des Geländes, hier ist sie! Herr Beck, reiten Sie kein totes Pferd, gehen Sie den einfachen, logischen Weg: Das Stadtbetriebsamt ins Dillfeld!
Dr. Lutz Schimmelpfeng, Wetzlar (Leserbrief WNZ vom 05.12.08)
Wo ist der Lobbyismus für die Gesundheit, Neapels Müll auf städtischem
Grundstück? Der Strom ist ein Standortfaktor, sagt OB Dette in Hermannstein,
sonst sind angeblich 1600 Arbeitsplätze
in Gefahr. Der Strom muß nach seiner Meinung durch die Verbrennung von Müll in
Stadtgebiet von Wetzlar gemacht werden, der der Bestand von Buderus ist in
Gefahr! Einseitiger Lobbyismus für ein
Unternehmen, wo bleibt das öffentliche Eintreten für die Gesundheit von 50.000
Wetzlarer Bürgern, darunter sicherlich auch von 1600 sensiblen Atemwegs- und
Kreislauferkrankten? Müllverbrennung in die Stadt, großzügige Erweiterungen der
Industrieabgase Frischluftschneisen wie
den Rasselberg zubauen... Wetzlar ist eben eine Industriestadt, basta! Und wenn wir nicht nachgiebig sind, baut RWE seine
Müllstromerzeugung auf einem privatem Grundstück, und dort ohne die
Schadstoffbegrenzungen der Stadtverordnetenversammlung, so klingt es für mich
aus dem Mund des Stadtoberhauptes. Warum hat das RWE nicht schon längst getan? Ist das
Grundstück der Stadt vergleichsweise billig, darüber gibt es keine öffentlichen
Informationen. Jeder kann es aber in der Presse nachlesen: In Frankfurt Höchst
sollen pro Jahr 600.000 t Müll aus dem Einzugsgebiet von 70 km Umkreis
verbrannt werden (...sonst stirbt die Chemie Industrie), in Gießen ist ein
solches Müllkraftwerk bereits genehmigt. Was wird dann also wirklich verbrannt, wenn das neue
Kraftwerk, wie voraussehbar, keinen Brennstoff findet, den Müll aus Neapel zum
Wohle Wetzlars? Und machen all die anderen Stahlwerke in Deutschland jetzt
zu, weil sie keinen Müll-Strom haben? Sie sollten Herrn Dette fragen, der weiß Rat.
Dr. Lutz Schimmelpfeng, Wetzlar (am 16.06.08 bei der WNZ als Leserbrief eingereicht, bisher nicht veröffentlicht)
Messstation fragwürdig Der Buderus Brand bringt´s an den Tag, was schon lange vermutet wurde: Die von der Messstation der hessischen Landesanstalt für Umwelt und Geologie (nahe enwag gelegen) gemessenen Schadstoffwerte sagen nichts über die wirkliche Belastungssituation der Luft in der Stadt Wetzlar aus! Wer die aktuellen Meßwerte vor, während, und nach dem Brand im Internet abrief, erlebte eine Überraschung. Obwohl vor seinem Fenster dicke, schwarze Rauchwolken vorbeizogen, zeigten die Meßwerte für Feinstaub höchstens durchschittliche, eher aber unterdurchschnittliche Werte, weit unterhalb der Grenzwerte. Das schafft wahrlich kein Vertrauen in die ach so transparente Messstation. Was muß noch passieren, daß die Halbstundenmittelwerte überschritten werden? Eine Sprengung? Spätestens durch dieses Ereignis ist klar: Wir brauchen in Wetzlar Meßstationen im Bereich der Belastungen, dort wo die Bürger wohnen, nicht in Windschatten von Industrieanlagen, an denen alles vorbeigeht, wie beim Brand gesehen.
Dr. Lutz Schimmelpfeng, Wetzlar (eine gekürzte Fassung erschien in der WNZ vom 24.05.07 als Leserbrief)
Genehmigung verweigern Dem Leserbrief von Herrn Schermuly ist zuzustimmen, weil er sich gegen eine Verbrennungsanlage im Dillfeld ausspricht. Es kann doch wohl nicht sein,dassman auf der einen Seite Atomkraftanlagen abschalten will, und anderseits Sondermüll aus aller Welt zur Vernichtung nach Deutschland gebracht wird. Man muss besorgt sein, wenn laut Umweltbundesamt Millionen Tonnen (Gift) Müll, die sicherlich für Mensch und Natur schädlich sind, in die Müllverbrennungsanlagen gelangen.Man stelle sich einmal vor, eine derartige Anlage, möge sie noch so modern sein, wird im Dillfeld gebaut. Bei den für das Kraftwerk benötigten Brennstoffmengen (Auslastungen, Gewinnmaximierung) kann man absehen, dass dort mit importierten Giftschrott (Sondermüll) gearbeitet werden wird. Da möge der Schornstein noch so hoch ragen und Grenzwerte der Bundesemmissionschutzverordnung hin und her: gesundheitliche Schäden für die Bevölkerung in unmittelbarer Nachbarschaft sind vorprognostiziert. Oder glaubt dann jemand dem Geschwätz, die eingebauten Filter würden die Verbrennung rein halten? Sollte dies alles Wirklichkeit werden, nützen keine Werbe- Hochglanzbroschüren mehr für Wetzlar und Umgebung. Man wird einen Bogen machen. Deshalb: Die verantwortlichen politischen Gremien sollten die noch ausstehende Genehmigung verweigern.
Erhard Heinrich, Wetzlar (Leserbrief WNZ vom 17.04.07)
Luftschadstoff-Klo von Deutschland Ist die drohende große Müllverbrennungsanlage im Dillfeld
nicht genug, hat die Bürgerinitiative (BI) „Reine Luft für Wetzlar“ ein
weiteres Indiz dafür entdeckt, dass Politik und zuständige Verwaltungen trotz
anhaltender Proteste der Bürger ,die Luft in Wetzlar noch weiter verschlechtern
wollen. Ganz klammheimlich enthüllt der Hessische Staatsanzeiger 5/2007 die
Genehmigung zur „Erweiterung vorhandener Ofenanlagen des Schmiedewerkes von
Buderus Edelstahl durch Errichtung und Betrieb von weiteren vier
Herdwagen-Schmiedeöfen einschließlich der Errichtung von zwei Schornsteinen
sowie zur Änderung der Feuerungseinrichtungen einzelner bestehender Öfen“.
Bedenklich ist, dass die Genehmigungsbehörde Regierungspräsidium Gießen –
Abteilung Umwelt – der Meinung ist, das die „Vorhaben keine erheblichen
nachteiligen Umweltauswirkungen haben kann“. Wie auch. Wetzlar ist bereits
jetzt einer der Spitzenreiter bei diversen Luftschadstoffen, nun kommen eben
weitere hinzu. Die Wetzlar Bürger sind es ja gewohnt. Die BI „Reine Luft für Wetzlar“ ist sehr wohl der Meinung,
dass auch in diesem Falle eine möglich Umweltverträglichkeitsprüfung wichtig
wäre und man dieses Anliegen dem RP Gießen auch
vortragen wird. Leider hat der RP bereits vorgesorgt, den die o.g.
Feststellung zur Genehmigung ist „selbstständig nicht anfechtbar“. Das passt
ins Bild, das der Umweltschutz in Deutschland immer mehr zu Facette wird, die
Behörde auf der Grundlage weit gefasster Toleranzen und Grenzwerte
wirtschaftsfreundlich fast alles genehmigen was Ihnen vorgelegt wird. Da wenig
Personal vorhanden ist, werden dann die Grenzwerte nicht mal überall
kontrolliert und oft verlässt man sich auf freiwillige Angaben der Betreiber. So auch in Wetzlar. Durch die hoch Schadstoff erzeugenden
Industrieanlagen Buderus Edelstahl, Heidelberg-Zement incl.
Trockenstabilatanlage und die die Aßlarer Trockenstabilatanlage zählt Wetzlar
zu den hauptbelasteten Gebieten überhaupt. Und jetzt soll auch noch eine MVA
und eine Erweiterung der Buderusöfen erfolgen. Der Anteil der Schadstoffes der
Wetzlarer Industrie beträgt ca, 60 %. Erst dann kommt der Autoverkehr und der
Hausbrand. Deshalb ist die Verlautbarung des Stadtrates Hauptvogel (WNZ vom
04.02.) irreführend. Nicht nur beim KfZ-Verkehr, sondern insbesondere bei der
Industrie müssten Maßnahmen zur Luftreinhaltung erfolgen. Auf keinen Fall
allerdings eine zusätzliche Müllverbrennungsanlage oder die Erweiterung der
Buderusöfen. Im übrigen sind nach Meinung der BI die vorgeschlagenen
Maßnahmenvorschläge ungenügend, Herr Hauptvogel sollte sich bei
Luftreinhalteplänen anderer Städte umsehen. Die BI kann ihm dabei behilflich
sein. Grundsätzlich ist die jahrelange „Verschleppung“ des Luftreinhalteplanes
für Mittelhessen ein politischer Skandal. Man könnte spekulieren, dass man erst
einmal den Bau der MVA abwarten will um nicht durch dessen
Untersuchungsergebnisse eine MVA vorneherein in Frage zu stellen. Da die Firma Buderus Edelstahl sein eigenes Betriebsgelände zur
Erweiterung (siehe oben) benötigt, bleibt für die BI nach wie vor das Fazit:
Wenn die Stadt Wetzlar ihr Grundstück im Dillfeld nicht verkauft, dann gibt es
auch keine MVA. Im übrigen wäre das nicht nur gesundheitspolitisch eine weise
Entwicklung, sondern auch wirtschaftspolitisch. In Deutschland gibt es bereits
jetzt Überkapazitäten an Müllverbrennungsanlagen, was dazu führt, dass sich
Deutschland im Zuge eines weltweiten Mülltourismus in diesem Bereich zum
„Müllklo“ der Welt entwickelt hat. Deutsche Anlagen importieren insbesondere
Gewerbe- und Sondermüll zur Verbrennung, weil das keiner haben will. Die
Umweltministerkonferenz hat endlich dieses Problem erkannt und will im Mai hier
erste Gegenmaßnahmen beschließen. Gesetzlich gilt: einen Mülltourismus kann man
nicht verhindern, solange die Verbrennungskapazitäten vorhanden sind. Zu
deutsch: Jede neue Müllverbrennungsanlage zieht noch mehr Müll an. Dies wird
auch in Wetzlar der Fall sein, denn der
künftige Betreiber der Anlage sucht bereits europa-, oder sogar weltweit nach
Lieferanten.
Daniel Singer, Wetzlar
Wetzlar ist kein Standort für eine Müllverbrennungsanlage Die Befürworter der Müllverbrennungsanlage im Stadtgebiet Wetzlar vermeiden offensichtlich alle gegebenen Tatbestände objektiv und umfassend darzustellen. Niemand kann den jetzt gewählten Standort für eine solche Anlage gutheißen, wenn er an einer vernünftigen, zukunftsträchtigen Stadtentwicklung interessiert ist. Die so genannten weichen Standortfaktoren eines Stadtgebietes werden äußerst negativ tangiert, so dass entwicklungs- und zukunftsträchtige Unternehmen einen Standort mit Müllverbrennungsanlage meiden. Eine solche Anlage gehört außerhalb bewohnter Gebiete. Strom lässt sich bekanntlich über vorhandene Netze einspeisen und transportieren. Die jetzigen Antragsteller wollen nicht selbst bauen. Sie suchen vielmehr einen Investor. Was sind Erklärungen ohne Beteiligung und Verpflichtung des späteren Investors wert? Im Übrigen haben die Antragsteller bisher tunlichst vermieden, verbindliche Erklärungen hinsichtlich der von der Stadt gewünschten Grenzwerte abzugeben. Der von den städtischen Gremien gewünschte geminderte Schadstoffausstoß (zehn Prozent der gesetzlichen Werte) kann meines Erachtens rechtlich nur dann durchgesetzt werden, wenn hierfür im Vorfeld Bankbürgschaften von den Investoren in ausreichender Höhe für die entstehenden zusätzlichen Baukosten beigebracht werden. Würde es zum Beispiel zu einem Insolvenzverfahren kommen, könnte die im Grundbuch eingetragene gewünschte Verpflichtung des Antragstellers untergehen, wenn Kredite im Range vorgehen würden. Im Übrigen hat der hessische Verwaltungsgerichtshof in einer vergleichbaren Angelegenheit festgestellt, dass nur gesetzlich festgelegte Grenzwerte von einer Gebietskörperschaft rechtswirksam gefordert werden können. Viele Fragen bleiben offen! Wird der bisher unbekannte Investor bzw. Betreiber der Anlage Strom tatsächlich unter marktüblichen Bedingungen anbieten und damit Arbeitsplätze sichern? Woher kommen die notwendigen Brennstoffe? Die geplante Anlage kann nur mit 25 Prozent des heimischen Abfalls ausgelastet werden! Sollen und müssen sogen. Heizersatzstoffe (Tiermehl, Altreifen, Klärschlamm u.a.) wirklich in unserem Stadtgebiet zum Einsatz kommen? Wie hoch wird die zusätzliche Verkehrsbelastung? Sind wir nicht schon heute wieder Belastungsschwerpunkt, besonders bei Feinstaub, in Hessen? Wollen wir durch eine solche Anlage die Lebensqualität der Bürger, ihrer Kinder und Kindeskinder verschlechtern? Alle diese Fragen und vieles mehr bleiben unbeantwortet; ganz abgesehen von der Tatsache, dass die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung in einem Eilverfahren, ohne ausreichende Beteiligung von städtischen Gremien und der Bürgerschaft, zustande gekommen sind. Dieser Vorgang ist nicht nur skandalös, sondern auch einer gelebten Demokratie unwürdig.
Herbert Fiedler, Wetzlar Der Verfasser war über 13 Jahre u.a. Umweltdezernent in Wetzlar, über 8 Jahre im Beirat des jeweiligen Hessischen Umweltministers, Vorsitzender im Umweltausschuß des Hessischen Städtetages, und Mitglied im Umweltausschuß des Deutschen Städtetages (eine gekürzte Fassung erschien in der WNZ vom 18.12.06 als Leserbrief)
Wetzlar schon dreckig genug Es gibt drei gute Gründe dem Verkauf eines Grundstücks für eine Müllverbrennungsanlage nicht zuzustimmen. 1. Als Stadtverordneter der „dreckigsten Stadt Hessens“ verbietet es sich, auch nur irgendetwas zu unternehmen, um noch mehr Dreck in die Stadt zu bringen. 2. Wie kann man sich als Stadt Wetzlar in Sachen Müll stark machen, wo man doch aus nächster Nähe miterlebt hat, wie der Lahn-Dill-Kreis unter Mithilfe der Herhof GmbH viele Steuergelder verbrannt hat? 3. Man sollte mit einer Firma, die die Gesellschaftsform mit der geringsten Haftung für sich gewählt hat – EBS Ersatzbrennstoffkraftwerk Wetzlar GmbH & Co. KG – keine Geschäfte machen, welche die Umwelt zerstören. Wer trägt eigentlich die Verantwortung und noch wichtiger die Kosten, wenn bei der Müllverbrennung etwas schief läuft?
Margit Keller, Aßlar (Leserbrief WNZ vom 08.12.06)
Gesundheit ist in Gefahr Die Gesundheit von 100.000 Einwohnern ist in Gefahr. Die Luft in Wetzlar ist bereits mit Schadstoffen, Dioxin, Kohlendioxid und Feinstaub bis zu Grenzwerten belastet. Die Menschen erwarten Unterstützung von Rechtswissenschaftlern, Fachärzten, Fachgutachtern und dem Verbraucherschutzministerium sowie auch von den Medien und der Presse, damit der Bau der Müllverbrennungsanlage inmitten von Wetzlar verhindert wird. Die Stadt Wetzlar liegt in einem Kessel und ist mit Höhenzügen umgeben. Dadurch kann ein Luftaustausch nicht erfolgen. Die Menschen, Tiere, Wohnungen und Häuser sowie der Erdboden werden somit erheblich verseucht. Man kann die Interessen der Wirtschaft nicht vor die Gesundheit der Menschen setzen.
Erich Schermuly sen., Wetzlar-Hermannstein (Leserbrief WNZ vom 06.12.06)
Von Buderus profitiert Als ich vor 45 Jahrenmeinen Bauplatz zwischen der Firma Edelstahl und demSteinbruch kaufte, wusste ich, dass ich künftig nicht in einemErholungsgebiet wohnen werde. Ich vertraute aber demZusammenwirken zwischen Bürgern, Politik, Aufsichtsbehörden und der Buderus-Gruppe und wurde nicht enttäuscht. Heute können wir unsere Betten ins Fenster legen und uns den ganzen Tag im Garten aufhalten, ohne dass wir gesundheitliche Schäden befürchten müssen. Ich durfte auch erleben, wie sehr Hermannstein von der Partnerschaft mit der Firmengruppe Buderus profitiert hat. Allein von 1962 bis 1970 haben wir über 1000 neue Bürger hinzugewonnen. Davonmehr als 150 Familien, die in der sogenannten „Röchling-Siedlung“ eine neue Heimat gefunden haben. 250 Bauplätze entstanden zusätzlich. Unsere Infrastruktur konnten wir dank der hohen Steuereinnahmen schlagartig verbessern: erste Mittelpunktschule im Altkreis Wetzlar (1964), neuer Kindergarten für 100 Kinder (1968), neues Verwaltungsgebäude (1972), neues Sportgelände und Ortskernsanierung, um nur einige zu nennen. Damit will ich nur deutlich machen, dass sich die Menschen und die Industrie gegenseitig brauchen. Und deshalb bin ich dafür, dass das Unternehmen Edelstahl die Chance erhält, sich wettbewerbsfähig zu machen und weitere Arbeitsplätze für unsere Region schaffen kann. Ich verteufele die Kraftwerksgegner nicht, bitte aber alle darum, auch meine Argumente ernsthaft zu prüfen.
Waldemar Kleber, Hermannstein, Ortsvorsteher, SPD-Stadtverordneter (Leserbrief WNZ vom 29.11.06)
Hinters Licht führen Die Stadtverordneten der StadtWetzlar versuchen die Bevölkerung hinters Licht zu führen. Diese erzählen von etwa zehn Prozent der gesetzlich zulässigen Mengen von Staub, Dioxine und so weiter, während der Betreiber der Anlage bei der Podiumsdiskussion sich noch nicht einmal auf die Hälfte festlegen wollte. Es ist schon eine Sauerei, wie hier der Bürger verschaukelt wird. Die Schadstoffbelastung ist ja derzeit im Raum Wetzlar schon mehr als grenzwertig hoch.
Günter Thorn, Wetzlar (Leserbrief WNZ vom 28.11.06)
„Wetzlarer Klüngel“ Kannte man das nicht schon aus Köln? Kölner Klüngel beim Bau einer Müllverbrennungsanlage, über den letztendlich viele Prominente und Amtsträger gefallen sind! „Parlament ebnet Kraftwerk den Weg“, heißt es lapidar in der Überschrift der WNZ vom 17.11.2006 und vermittelt neutral die Nachricht, daß die Wetzlarer Stadtverordneten mit großer Mehrheit in ihrer Sitzung am 16.11.2006 dafür ausgesprochen haben, das Grundstück aus städtischem Besitz im Dillfeld für das geplante Kraftwerk zu verkaufen. Alle scheinen sich seit Langem einig, der Firma EBS Ersatzbrennstoffkraftwerk Wetzlar GmbH &Co KG den Raum und ihr Einverständnis zu signalisieren, künftig ca. 300.000 t pro Jahr Restmüll zu verbrennen. Damit wird durch die bei der Verbrennung unvermeidbaren Abgase den schon bedenklichen Luftverunreinigungen in Wetzlar das Sahnehäubchen aufgesetzt oder wo der Teufel immer seinen Haufen hinsetzt. Hinter der EBS stecken vor allem die Buderus Edelstahl und der heimische „Müll Stabilator“ Hermann Hofmann, wer sonst noch Kommandantist ist wurde nicht bekannt. Das Gefühl vom Wetzlarer Klüngel hatten ganz offensichtlich, wie der Verfasser dieses Leserbriefes, auch die etwa 300 Wetzlarer Bürger, die sich fast zeitgleich mit der Stadtverordnetenversammlung auf Einladung der neu gegründeten Bürgerinitiative „Reine Luft für Wetzlar“ versammelt hatten, und ihrer Verärgerung über den bisherigen bürgerfreien Planungsprozeß des „Klüngels“ lauthals Luft machten. Wo war auf dem Podium ein Vertreter der Stadt Wetzlar, der erklärt hätte, warum man klaglos jegliche Zusatzbelastung der Wetzlarer Luft hinnehmen will? Seit Jahren ist vor allem die Wetzlarer Feinstaubbelastung am Rande der gesetzlichen Grenzwerte oder gar darüber. In diesem Jahr ist der Tagesgrenzwert schon 25 mal überschritten worden!. Ein Unternehmer hätte sicherlich für die Überschreitung der gesetzlichen Grenzwerte (wie im Jahre 2003) ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfaren wegen strafrechtlich sanktionierter Luftverschmutzung erwarten dürfen. Die Herrn Wahlbeamten erklärten sich dagegen nicht nur in Wetzlar irgendwie als nicht zuständig und beklagten, daß sie keine Waffen besäßen, die Luftverunreinigung zu bekämpfen. Der gesetzlich vorgesehene Aktionsplan zur Bekämpfung der Luftverschmutzung wurde dagegen nicht aufgestellt, sondern auf den „St. Nimmerleinstag“ verschoben. Husten wir und der Staatsanwalt nun weiter und fügen uns wie die Schlachtlämmer unserer Stadtregierung? So sieht es nach der Hermannsteiner Versammlung jedenfalls nicht aus, obwohl sich das offensichlich der Vetreter öffentlicher Belange im Genehmigungsverfahren, der Leiter des Gesundheitsamtes so gewünscht hätte.Seine Bagatellisierungsversuche zur Wirkung der Luftschadstoffe allgemein und zur Situation in Wetzlar führten zur allgemeinen Verwunderung bis zur hellen Empörung. Hatten doch die Meisten gedacht, ein Gesundheitsamt sei zur Erhaltung der Gesundheit der und zur Gesundheitsvorsorge Bürger da! Auf dem Hermannsteiner Podium verkündeten auch die zukünftigen Betreiber der Müllverbrennungsanlage die Harmlosigkeit ihres geplanten Verfahrens, für das sie heute, einen Tag nachdem Stadtverordneten Beschluß, die Antragsunterlagen beim Regierungspräsidenten in Gießen für das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgetz einreichen. Der anwesende Ortsvorsteher von Hermannstein konnte den aufgebrachten Bürgern jedenfalls nicht mehr den Segen des Stadtverordnetenbeschlusses nahebringen, er kam im Protestlärm nicht mehr zu Gehör. Ich finde den Unmut der anwesenden Mehrheit verständlich und berechtigt, weil die Bürger offensichtlich nach dem Hase und Igel Prinzip totgelaufen werden sollen: Ehe sie recht wissen worum es geht, sollen Tatsachenentscheidungen eine Umkehr des Planungsprozesses unmöglich machen. „Ick bünn all da!“ Der anwesende technische Anlagenplaner, vor allem auch verantwortlich für die Planung der Rauchgasreinigung, nach der Verbrennung von 300.000 t Müll im Jahr, ist zwar in der Lage, dem RP Planungszahlen vorzulegen, nicht aber den anwesenden Bürgern. Eine Immissionsprognose (Modellrechnung) für die zusätzliche Feinstaubbelastung hätte er gut und gerne in den Varianten A, B, C, und 0 vorlegen können, dafür gibt es in der Technischen Anleitung Luft des Bundes die zugelassenen Rechenprogramme. Er zog sich aber auf die Ausrede zurück, solange die Rahmenbedingungen nicht bekannt wären, könne man nicht rechnen. Im Genehmigungsververfahren liegen sie dann plötzlich und unveränderlich auf dem Tisch: „Ick bünn all da!“ So werde ich mich, wie hoffentlich viele Bürger aus Wetzlar und Umgebung, nicht verschaukeln lassen, das Mißtrauen in die Institutionen in Umarmung sitzt jetzt tief. Im stillen Kämmerlein (Klüngel) können sich ja alle Fraktionen einschließlich der Grünen und die Betreiber schon auf den Betrieb eines Müllkraftwerks geeinigt haben. Die im Genehmigungsverfahren vorgesehene Bürgerbeteiligung wird mit Hilfe von Experten, die schon von der BI eingeladen waren, die Stacheln des Igels ausfahren! Hoffentlich kann die BI eine ähnliche Veranstaltung wie in Hermannstein in der Kernstadt wiederholen. Eine volle Stadthalle wird unseren Amtsträgern dann schon den Ernst der Lage klarmachen. Ein Projekt dieses Ausmaßes mitten in der Stadt Wetzlar wird es jedenfalls ohne Bürgerbeteiligung nicht geben!
Dr. Lutz Schimmelpfeng, Wetzlar (nicht veröffentlichter Leserbrief vom 17.11.06)
Die beste Luft haben wir nicht Als niedergelassene Ärzte in Aßlar haben wir, wie unsere Kollegen in der Region, fast täglich mit den Symptomen „asthmoide Bronchitis, kruppöse Bronchitis und Kruppanfall“ bei Säuglingen und Kleinkindern zu tun. Dabei handelt es sich um eine Art Erstickungshusten mit Verkrampfung der Bronchien,meist durch einen banalen Infekt ausgelöst. Es ist für Eltern und Kind eine oft dramatische Situation, die in der Regel durch hochdosierte Cortisonpräparate notfallmäßig behandelt werden muss. In anderen Gegenden ist diese Erkrankung nahezu unbekannt. Ich kenne Ärzte aus Norddeutschland, die in ihrer Laufbahn nie einen Kruppanfall behandeln mussten. Dies scheint doch etwas mit der Luftqualität zu tun zu haben, auch wenn keine Grenzwerte für Luftbelastungen überschritten werden. Die beste Luft haben wir hier anscheinend nicht! Die Überschrift „Stadt informiert über Kraftwerk“ ist von den Redakteuren schmeichelhaft gewählt - „Stadt informiert über Müllverbrennungsanlage“ scheint uns besser. Es geht doch um die Verbrennung von 300 000 Tonnen Trockenstabilat in einem dicht besiedelten Gebiet mit doch schon erheblicher Luftbelastung. Ist der Standort in einer Tallage im Westwindbereich in unmittelbarer Nähe der Stadt Wetzlar gut gewählt? Sicher wird endlich das seit Jahren auf der Aßlarer Deponie lagernde und bis dato nahezu unverkäufliche Trockenstabilat seiner Bestimmung zugeführt und verbrannt. Sicher werden auch bei derMüllverbrennungsanlage wieder Grenzwerte eingehalten. Sicher werden einige von dem Bau einerMüllverbrennungsanlage profitieren. Die Gesundheit unserer Kinder wird das sicher nicht! Eine lückenlose und ausführliche Aufklärung der Bevölkerung über solche Projekte sollte vor politischen Entscheidungen erfolgen.
Dr. med. Wulf Kaps, Dr. med. Thomas Boeder, Asslar (Leserbrief WNZ vom 14.11.06)
Die Dimensionen klarmachen Auf den ersten Blick hört sich alles sehr verlockend an: Für Buderus Edelstahl sollen Energiekosten stabil gehalten, den Beschäftigten die Arbeitsplätze gesichert werden. Der Kreis kann endlich seinen sortierten und getrockneten Müll (Stabilat) los werden. Die Bürger der Stadt bekommen günstig ihr Schwimmbad und Rathaus geheizt. Aber bevor die Stadtverordneten am Donnerstag, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, über den Verkauf eines stadteigenen, für das Bauvorhaben entscheidende Grundstück votieren, sollten sie schon ihren Bürgern die Dimensionen dieses Projektes klarmachen. Ein 110 Millionen Euro teures Kraftwerk soll jährlich etwa 300 000 Tonnen aufgearbeiteten Müll verbrennen: 75 LKW-Ladungen amTag, 365 Tage im Jahr, Jahrzehnte lang! In der Aßlarer Müllverwertungsanlage werden aber „nur“ 70 000 Tonnen Stabilat im Jahr produziert. Müll müsste also dazu gekauft werden. (was kein Problem wäre, denn Stabilat will keiner so recht haben). Aber auch wenn Buderus seine Pforten wegen billiger Konkurrenz aus Asien, plötzlich schließen würde, müsste diese gewaltige Anlage weiter ausgelastet sein, um sich bezahlt zumachen. Und wenn die Filter des Verbrennungskraftwerkes perfekt funktionieren, keine technische oder menschliche Panne passiert und die Temperatur bei 850 Grad gehalten wird, dann wird sie trotzdem jährlich zu den 30 Tonnen Staub die gesetzlich erlaubten Mengen an Quecksilber, Schwermetallen und Dioxine frei setzen. Bei 300.000 Kubikmeter Rauchgasvolumen pro Stunde werden Unmengen an Kohlendioxid freigesetzt, welche Hauptverursacher unserer globalen Erwärmung ist. Wetzlar wird bereits mit Schadstoffen aus dem Zementwerk und Edelstahlwerk belastet. Hinzu kommen Abgase und Feinstaub aus dem Verkehr und die Ozonbelastung. Unsere Stadt liegt in einem Tal. Luftaustausch ist hier schwieriger. Bei Inversionslage stinkt es heute schon bedenklich. Es geht also um mehr, als nur um heißes Wasser!
Christian Sarges, Wetzlar (Leserbrief WNZ vom 14.11.06)
Abgase in die Luft geblasen Buderus Edelstahl plant im Dillfeld ein neues Kraftwerk. Ich als Leser meiner Heimatzeitung WNZ sehe in dieser Sache „Kraftwerk“ eine erhöhte Umweltverschmutzung unserer Region auf uns zu kommen. Auch wenn die Herren Johann (Edelstahl) und Hofmann (Herhof) behaupten, dass die Abgaswerte deutlich unter den Grenzwerten der Bundesemissionsschutzverordnung liegen. So werden doch die Abgase durch einen 80 Meter hohen Schornstein in die Luft geblasen. Und gehen irgendwann in Form von Niederschlag (Nebel und Regen) auf den Boden nieder. Dass dieses dann gesund sein soll für Mensch und Tier, kann ich nicht verstehen. Hierbei geht es meiner Ansicht nach nur um immer höhere Gewinne und nicht wie behauptet um die Sicherung des Standortes. Außerdem ist es mir unverständlich, dass zum Zeitpunkt, wo die Bevölkerung über das Projekt informiert werden soll, gleichzeitig schon die Abstimmung im Parlament gelaufen ist.
Ingo Wohlgemuth, Wetzlar (Leserbrief WNZ vom 14.11.06)
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