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Wie schon
an anderer Stelle erwähnt ist das Thema Luftverschmutzung in Wetzlar ein sensibles; umso
unverständlicher die Vorgehensweise der politisch Verantwortlichen im aktuellen
Fall. Während zu Anfang argumentiert wurde, die Planungen beträfen ein
ausgewiesenes Industriegebiet und die für den Bau angedachte Fläche sei zudem im
Besitz der Initiatoren, sodass von Seiten der Stadt Wetzlar keine Möglichkeit
bestünde wie auch immer gearteten Einfluss auf das Projekt zu nehmen, stellte
sich Anfang November heraus, dass die geplante Müllverbrennungsanlage (MVA) auf einem städtischen
Grundstück gebaut werden sollte. Zwischen der Information der Bevölkerung über
die Presse und dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung dem Verkauf des
Grundstückes an die mittlerweile gegründete Betreibergesellschaft (EBS
Ersatzbrennstoffkraftwerk Wetzlar GmbH & Co. KG) zuzustimmen (1 Gegenstimme,
1 Enthaltung!) lagen dann kommunalpolitisch unglaubliche 8 Tage.
Bekannt
(zumindest der Öffentlichkeit) war zu diesem Zeitpunkt weder
- was in der
MVA überhaupt verbrannt werden soll (die 70.000 t Aßlarer Trockenstabilat
stellen einen Anteil von weniger als einem Viertel der angedachten
Ersatzbrennstoffmenge, die verbrannt werden soll. Über den "Rest" war bisher
wenig substantielles zu erfahren ("Kein Trockenstabilat", "Verhandlungen werden
geführt", "Gewerbemüll", "Umkreis weniger als 100 km")),
- welche
Anlage konkret geplant ist (Filtertechnik; Schornsteinhöhe etc.)
- auch nicht
welcher Investor die Finanzierung (und Betrieb?) übernehmen würde.
Was auch
immer die Wetzlarer Parlamentarier angetrieben haben mag diesen Beschluss derart
zu forcieren, die Möglichkeit einen Bürgerentscheid über den Grundstücksverkauf
herbeizuführen jedenfalls gab es dadurch definitiv nicht.
Wie kann es
sein, dass versucht wird ein Projekt derartiger Größenordnung mit möglicherweise
sehr drastischen Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität großer Teile der
Bevölkerung, ohne Beteiligung derselben, schnell und diskret soweit
voranzutreiben, bis alle Entscheidungen gefallen sind? Wo sind die der
politischen Interessenvertreter gerade der potentiell am meisten betroffenen
Bevölkerung in Niedergirmes und Hermannstein? Wie definiert sich die Opposition
im Wetzlarer Stadtparlament?
Die
Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2006 lag in Wetzlar bei 37,2%; wobei die
vergleichsweise hohen Wahlbeteiligungen in einigen Ortsteilen, das desaströse
Desinteresse in der Kernstadt (ca. 30%) noch etwas kompensieren konnten. Es
steht weder zu erwarten, dass bei der nächste Kommunalwahl die Wahlbeteiligung
signifikant höher sein wird, noch gar, dass sich die gewählten Volksvertreter
(hierbei insbesondere die Wahlgewinner) darüber großartig grämen werden.
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