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Im
Mittelpunkt der Auswirkungen durch ein Müll-Kraftwerk steht selbstverständlich
die Gesundheit
der Wetzlarer Bevölkerung durch eine weitere Verschlechterung der Luftqualität.
Hierzu gibt es auf der Seite der Bürgerinitiative einige interessante Links mit teilweise
bitteren Tatsachen. Leider ist das Thema Luftschadstoffe und Gesundheit eines der
Stiefkinder von Politik und Wissenschaft. Grundlagenuntersuchen und
Langzeitstudien zu den
Auswirkungen sind selten. Es drängt sich Verdacht auf, dass solche Untersuchungen
nicht gewünscht sind.
Neben der
Gesundheit gibt aber noch weitere Auswirkungen, die man in diesem Zusammenhang
erwähnen sollte. In Wirtschaftsbereich werden diese Faktoren auch als „weiche Standortfaktoren“
bezeichnet, sie spielen keine unerhebliche Rolle beispielsweise
bei der Beurteilung der Standortauswahl von Firmen und deren qualifizierten
Mitarbeitern. Diese werden im folgenden neben anderen wichtigen Aspekten dargestellt
Da ist zum
einen die Lebensqualität in Wetzlar. Die Lebensqualität setzt sich aus mehreren
Komponenten zusammen, ist aber vor allem streng gekoppelt an die Umweltqualitäten
des jeweiligen Ortes oder der Region. Die alte Reichsstadt Wetzlar mit einem
attraktiven Stadtkern hat lange mit ihrem Image als Industriemoloch kämpfen müssen. Im
Gegensatz dazu gilt Gießen als erfolgreiche Universität- und Kulturstadt. Wenn man
über die B49 sich Wetzlar nähert, sind auch heute noch die Industrietürme der erste und
oftmals bleibende Eindruck für ortsfremde Besucher. Gäbe es
nicht den Dom, könnte man meinen, gerade das Zementwerk wäre das eigentliche
Wahrzeichen der Stadt. Da wir es besser wissen, wählte die Bürgerinitiative den Dom als
Logo für seine Aktivitäten. Allerdings mit der symbolischen Mahnung, das unsere
Stadtväter und Buderus-Edelstahl ein Müll-Kraftwerk zum neuen Wahrzeichen machen
wollen. Deswegen steht im Logo der Schornstein, dort wo im Mittelalter der Nordturm
geplant und aus Geldmangel nicht gebaut werden konnte.
 www.wetzlar.de setzt durchaus auf weiche
Standortfaktoren; keine Hinweise auf Dreck, Müll, Lärm und Gestank!
Die Stadt
jedenfalls wird von außen zu recht mit dem Image einer dreckigen Industriestadt gleichgesetzt.
Die Lebensqualität in Wetzlar leidet sehr unter dem Ausstoß von Luftschadstoffen
jeglicher Art. Wetzlar hat hier bei allen Parametern einen der Spitzenplätze
in Hessen und Deutschland inne. Neben der Industrie sind auch der enorme KfZ-Verkehr
und der Hausbrand als Verursacher zu nennen.
Besonders
Betroffen sind die Stadtteile im Talkessel auf Grund der einseitig
vorherrschenden Windrichtungen südwest bzw. nordost sowie der häufigen
Inversionslagen ohne Luftaustausch. Nicht zuletzt hat dies z.B. Niedergirmes
zum absoluten sozialen Problemgebiet (Stichwort Soziale Stadt) gemacht. Im
Fachjargon werden solche Strukturen als „Umweltghetto“ bezeichnet. Mit viel Aufwand
und Engagement versuchen die Betroffenen in Niedergirmes mit Hilfe des
Förderprogrammes „Soziale Stadt“ den schlimmsten Entwicklungen entgegen zu
wirken. Wer es sich leisten kann lebt südlich der Lahn, den Hang hoch,
beispielsweise rund um die Altstadt. Hier ist die Luft-, die Geruchs- und
Lärmbelästigung mit Ausnahme der Hauptstraßen besser. Der hohe Schornstein der
geplanten Müll-Kraftwerkes wird diese jahrzehntelang geltende Situation
schlagartig ändern. Es ist zu erwarten, das dann alle Wetzlarer Stadtteile
betroffen sein werden.
Die
Belästigung mit Luftschadstoffen ist neben gesundheitlichen Auswirkungen
tatsächlich auch eine
Frage der persönlichen Wahrnehmung. Das hat viel mit der Mentalität der Wetzlarer
zu tun, wo die Industrie traditionell stark verhaftet ist. Bei den Neubürgern
oder Zugereisten
ist dieses Verhältnis zur Stadt ein anderes. Einige alte Wetzlarer sprechen davon, das
es früher zu Zeiten des Hochofens viel schlimmer gewesen sei. Oft trifft man auch eine
gleichgültige oder resignierende Haltung. Allerdings: die wirklich gefährlichen Luftschadstoffe
sieht man nicht und riecht man auch nicht immer. Das war früher schon so, hat
aber Behörden und Politik nicht interessiert. War doch Industrie
gleichbedeutend mit
Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen. Die Strukturen der Stadt und die Grundeinstellung
zu diesem Thema hat sich verändert. Viele Bürger haben ihren Unmut in der
Vergangenheit an das zuständige Regierungspräsidium weitergegeben. Hier
verlaufen die
Beschwerden allerdings bisher im Sande. Lapidar heißt es beispielsweise, Geruchsbelästigungen
sind in einer Industriestadt nicht zu verhindern und wenn eine bestimmte
Anzahl von Tagen nicht überschritten wird, gibt es auch keinen rechtlichen Handlungsbedarf.
Eine früher vorhandene Bürgerinitiative in Niedergirmes hat bereits vor Jahren
aufgegeben.
Das
schlechte Image als dreckige Industriestadt zu ändern, ist die erklärte Politik
des Wetzlarer
Magistrats. Nun hat man gerade in den letzten Jahren versucht, Wetzlar etwa im touristischen
Bereich als Goethe- und Stadtführungsstadt zu etablieren. Nicht ohne Erfolg. Eine große
Zahl von historisch interessierten Personen bieten Jahr für Jahr mit Erfolg neue und
pfiffige Veranstaltungen. Wetzlar entwickelt sich zu einem kleinen Geheimtipp der historischen
Eventkultur. Die Zahl der Gäste und Führen steigt. Daneben soll die Tradition
der Optischen Industrie ein weiterer Baustein des touristischen Angebotes werden.
Doch welcher Gast kommt in eine Stadt wo ein 50 Meter hohes und 150 Meter langes
Müll-Kraftwerk steht?
 Ebenfalls
von der offiziellen Wetzlar-Website (http://www.wetzlar.de/subnav.phtml?NavID=370.695&La=1); Hervorhebungen nachträglich eingefügt.
Der
Niedergang als Garnisonsstandort hat zudem zu großen städtischen Gewerbegebieten
geführt, die man mit Leben erfüllen will. Die Vorstellung geht in Richtung Ansiedlung
innovativer Branchen, beispielsweise im Hightech- Bereich. Hier sind bereits einige
gute Ansätze vorhanden. Doch wie will man neue Firmen diese Stadt schmackhaft machen,
wenn man schon am Bahnhof mit dem üblen Gummigeruch der benachbarten Industrie
begrüßt wird ? Ein wichtiger Standortfaktor für neue Branchen ist eine intakte Umwelt
um qualifizierte Arbeitnehmer und Familien zu gewinnen. Da ist eine
Müllkraftwerk im Ort kein guter Werbeträger. Auch die im
Dillfeld angesiedelten Firmen sind bestimmt nicht begeistert über eine solche direkte
Nachbarschaft.
Der vorgesehene „Mülltourismus“ zur Versorgung des Kraftwerkes
und der Abtransport von mehreren zehntausend Tonnen teilweise hoch giftiger
Rückstände für die Deponierung zieht weiteren LKW-Verkehr nach sich. Die Anzahl
der LKW-Bewegungen pro Tag richtet sich nach der endgültigen Größe des
Müll-Kraftwerkes, kann aber durchaus bei über 100 LKW pro Tag liegen. Der
Verkehr soll über die B277a abgewickelt werden. Obwohl hier Wohngebiete nicht
direkt betroffen sind, trägt auch das zur weiteren Vermehrung von
Luftschadstoffen und des Lärms im Wetzlarer Talkessel bei. Zudem wird im Moment
die B 49 zur Autobahn ausgebaut, was zwangsläufig zu mehr Verkehr (Schätzungen
gehen von mindestens ein Drittel mehr Fernverkehr) als bisher führen wird. Beide
Hauptverkehrachsen gehen mitten durch die Stadt.
Das
Stadtklima im engen und schlecht durchlüfteten Talkessel wird sich zusätzlich verändern.
Das ist unvermeidbar, da ein großen Teil der erzeugten Energie in Form von Wasserdampf
in die direkte Umwelt abgegeben wird. Jedenfalls sind die Initiatoren des Projektes
eine Antwort über den Verbleib des Wasserdampfes schuldig geblieben. Die tatsächlich
Menge an Dampf ist abhängig von der Art des Müllkraftwerkes. Insgesamt führt das
Müllkraftwerk wahrscheinlich zu einer Erhöhung der durchschnittlichen Jahrestemperatur
mit entsprechenden Folgen für Mensch und Tier.
Das
Müll-Kraftwerk hat direkten Einfluss auf die Häuser- und Grundstückpreise.
Diese sind
bereits jetzt im direkten Umfeld des geplanten "Kraftwerkes" erheblich tiefer als in
anderen Stadtteilen.
Eine direkte Auswirkung der schlechten Lebensqualität. Es steht zu befürchten,
dass in einzelnen Gebieten Häuser und Grundstücke erheblich an Wertverlieren.
Auch die Mietpreise bleiben davon nicht verschont. Dies kann weitere negative Auswirkungen
auf die soziale Struktur haben.
Im oft
zitierten „Wettbewerb der Regionen“ hat Wetzlar zusammenfassend im Bereich der
„weichen Standortfaktoren“ erhebliche Nachteile im Vergleich mit anderen
Gebieten. Der Bau
eines „Müll-Kraftwerkes“ wird sich hierbei kontraproduktiv auswirken.
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