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Wer sich mit den Ankündigungen zum Bau einer sogenannten
Ersatzbrennstoff-Verbrennungsanlage beschäftigt hat, fragt nach den Urhebern
der Schreckensnachrichten, die ohnedies schlechte Luft in Wetzlar ausgerechnet
durch eine Müllverbrennung in
Stadtgebiet weiter zu belasten.
Wer sind die Spieler? In unserer Bürgerversammlung am 22.11.2006 sollten wir
wohl den Eindruck haben, es gäbe bei der Realisierung dieses Alptraumes eine
starke Allianz: Auf der einen Seite Buderus Edelstahl GmbH als in Wetzlar traditionsreiches,
konzernanhängiges Stahlunternehmen und auf der anderen Seite den in der Region
bekannten Unternehmer Herrmann Hofmann. Dieser war oder ist der
Hauptgesellschafter der Firmen Herhof-Umwelttechnik GmbH, Herhof-Straßen- und
Tiefbau GmbH (beide Standort Solms-Niederbiel) sowie Herhof-Basalt- und
Diabas-Werk GmbH am Standort Oberscheld mit Zweigstellen in Beselich,
Beuerbach, Darmstadt , Ilmenau und Miltenberg. Bekannt wurde die Herhof
Umwelttechnik mit dem Bau von Kompostierungsanlagen und der Produktion von
Trockenstabilat.
Der Handelregisterauszug für die neue Gesellschaft, die
Müll und/oder Stabilat im Wetzlarer Dillfeld verbrennen soll, zeigt nun aller
öffentlichen Präsenz zum Trotz, daß sich die Buderus Edelstahl GmbH in keiner
juristisch faßbaren Weise an der Eratzbrennstoff Wetzlar GmbH & Co. KG
beteiligt. In jüngster Zeit spricht Buderus allerdings von einer
Arbeitsgemeinschaft, welchen Charakter oder welche Rechtsform dieses Gebilde
hat, bleibt weiter im Dunkel.
Von der angeblichen Allianz zwischen Buderus Edelstahl und
Hofmann beeindruckt, faßten die Stadtverordneten über alle Fraktionen mit
großer Mehrheit den Beschluß, der Hofmannschen GmbH & Co. KG das städtische
Grundstück im Dillfeld für den Verbrennungzweck zu überlassen. Zum Wohle der
Buderus Edelstahl sollte billiger Strom für Buderus erzeugt werden, das mußte
doch auch im Sinne der Stadt Wetzlar sein! Buderus Edelstahl war dagegen aber nicht bereit, eine
solche Anlage auf eigenem Grund zu bauen, obwohl zweifelsfrei noch Flächen auf
konzerneigenem Gelände zu Verfügung gestanden hätten, um sich finanziell oder
personell an der aktiven Gesellschaft des H. Hofmann zu beteiligen.
Lassen wir also Buderus außen vor, wenn wir die Interessen
zum Bau einer Müllverbrennungsanlage betrachten, denn Buderus ist
offensichtlich weder mit Baugrund, mit Kapital, mit Personal, noch mit Know-how
an dem Projekt beteiligt. Die einzigen Interessen, die Buderus zum öffentlichen
Auftritten mit Hermann Hofmann veranlaßten, sind also die Hoffnung auf
Strombezug unter Marktpreis. Vertragliche Garantien gibt es dafür, nach Auskunft von Buderus Geschäftsführer
Johann, keine.
Ist Hofmann ist der einzige Spieler? Verhandlungspartner der Stadt Wetzlar beim Verkauf des
Grundstückes ist und bleibt also allein Hermann Hofmann. Wieso hat dieser so
starker Fürsprecher in der Stadtverordneten Versammlung? Warum gilt er der
Stadt als vertrauenswürdig, ein Projekt der Größenordnung von 150 Mio zu
schultern?
Seit 2 Jahrzehnten versucht Hofmann als mittelständischer
Bauunternehmer, versehen mit Lizenzen eines Professors der Gesamthochschule Kassel/ Witzenhausen namens
Klaus Wiemer, in der Abfallwirtschaft Fuß zu fassen. Bekannt ist, daß seine
Herhof Umwelttechnik nach ihrer Insolvenz von der irischen Treasury Holdings
übernommen wurde. Jedoch war auch dieses Konstrukt nicht von langer Dauer und
die abermals insolvente Firma wurde nunmehr von der griechischen Investorengruppe
Elliniki Technodomiki und deren Tochter Helector übernommen. Hofmann selbst
betreibt nach dem Konkurs der Umweltsparte weiterhin die mechanisch biologisch
Aufbereitungsanlage (MBA) und die Ersatzbrennstoff -Verbrennungs-Anlage
(EVA) unter der Regie seiner PCG GmbH, einer Gesellschaft, die er inzwischen
rückerworben hat.
In einigen Anlagen, z.B. der im Kreis Hersfeld Rotenburg,
die wegen des Konkurses nicht fertig gestellt werden konnten, ist der Leumund
der Herhof Umwelttechnik nachdrücklich geschädigt. Auch die Skandale und
Verluste bei der in Gemeinschaft mit dem Lahn-Dill-Kreis gegründeten GVVW GmbH
hatte Hofman als 50 %iger Gesellschafter mit zu verantworten. Diese
Gesellschaft war zur Verwertung und Vermarktung des in der BA Aßlar erzeugten
Trockenstabilats gegründet worden. Eine Marktgängigkeit mit Erlösen für den
sogenannten Ersatzbrennstoff Trockenstabilat konnte trotz Bau und Betrieb einer
eigenen Verbrennungsanlage durch die GVVW nie nachgewiesen werden, selbst als
der Lahn-Dill-Kreis auf Druck des Kreistages aus dieser Gesellschaft nach allerlei Turbulenzen ausstieg. Als die GVVW in anderen Projekten nicht mehr
vertrauenswürdig, und der Lahn-Dill-Kreis ausgestiegen war, gründete
Hofmann kurzerhand zu ähnlichen Zwecken
die "PowerContracting GmbH".
Das Vertrauen der Stadtverordneten und des Magistrats in die
Leistungsfähigkeit von Hermann Hofmann scheint aber nach wie vor ungebrochen,
sie trauen ihm zu, das städtische Grundstück im Dillfeld zu erwerben und die
Planungskonzeption für eine BImSchG-Genehmigungsantrag zu finanzieren. Selbst diese Wirtschaftskraft
und Kompetenz wird von Kennern der Szene in Zweifel gezogen.
Betrachten wir den aktiven Spieler des Projekts, kann er im
Gegensatz zum inaktiven Global Player Buderus höchstens als ein Regional Player
gelten und in der Politik würde man nach einer solchen Historie von Hofmann als einer „Lame Duck“ sprechen.
Doch noch ein weiterer Spieler? Professor Wiemer Aus der sog. „Boxen-Kompostierung“, die Hofmann zur
wirtschaftlichen Reife führte, entwickelte sich die Stabilatherstellung aus
Hausmüll. Hofmann arbeitete dabei mit dem Entwickler und Lizenzgeber Klaus
Wiemer zusammen. Wiemer kam damals von der obersten Fachbehörde des Landes
Hessen, Landesanstalt für Umwelt, Wiesbaden, er
war dort 1982-1988 Dezernent für Abfallwirtschaft und Recycling. Wiemer
wurde dann 1988 Professor an der Gesamthochschule Kassel /Witzenhausen als
Leiter des Fachgebietes Abfallwirtschaft und Altlasten. „Ehrenamtlich“ trat er
als Initiator und 1. Vorsitzender des Hessischen Forschungsverbundes Abfall,
Umwelt und Ressourcenschutz e. V. auf, einer wissenschaftlichen Gemeinschaftseinrichtung
hessischer Universitäten und Fachhochschulen sowie der Industrie und
Verwaltung.
Selbst vielen Insidern entging die enge Verflechtung
zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft zugunsten seiner persönlichen
Interessen. Eine besondere Rolle spielte Prof. Wiemer bei der
Kreis-Herhof-Gesellschaft GVVW GmbH: Einerseits war er über die Firma Joma Umweltberatungs GmbH,
Hamburg, als deren Mitgesellschafter, an der Planung der Ersatzbrennstoff-
Verbrennungs-Anlage (EVA) in Aßlar beteiligt, andererseits beriet er den Kreis
beim Genehmigungs- und Investitionsverfahren. Die Fa. Joma verneinte damals die
Notwendigkeit einer europaweiten Ausschreibung der EVA mit der Begründung, der
kommunale Gesellschaftsanteil übersteige nicht 50 %. Den Auftrag zum Bau der
EVA bekam, wen würde es wundern, folgerichtig die Herhof Umwelt GmbH. Wiemer
bediente also sowohl den Kreis als Auftraggeber, wie auch die ihm verbundene
Firma Herhof als Auftragnehmer.
Natürlich hatte Herr Professor Wiemer ein starkes Interesse
am technischen Durchbruch seiner Idee der Herstellung von Trockenstabilat aus
Restmüll. Herhof war schließlich Lizenznehmer der Wiemerschen Verfahren,
außerdem war und ist er an verschiedenen Firmen beteiligt, die ihm neben seiner
wissenschaftlichen Tätigkeit, wirtschaftlichen Profit in diesem Umfeld
versprechen: Witzenhausen Institut,
Joma-Umweltberatung, Leonardon GmbH- Management und Consulting.
Als Planungsbüro der Anlage im Dillfeld taucht nun die UI
Umwelttechnik und Ingenieure mit ihrem geschäftsführendem Gesellschafter Nils
Oldhafer auf, die wie man sich erinnert, auf öffentlichen Versammlungen neben
H. Hofmann und Edelstahl-Geschäftsführer Johann agierte (Herr Oldhafer blieb
dabei dem Auditorium wesentliche Antworten zum künftigen Schadstoffausstoß sowie
zur Kraft -Wärmekopplung der Anlage im Dillfeld schuldig). UI Umwelttechnik mit
seinem Geschäftsführer Nils Oldhafer ist ein Tochterunternehmen der Leonardon
GmbH Management und Consulting unter der Beteiligung des Prof. Klaus Wiemer.
Fazit: Ein weiterer Spieler sitzt offensichtlich im
Hintergrund, über dessen bisherige Aktivitäten die Kollegen der
Kreistagsfraktionen ihre Kollegen Stadtverordneten sehr wohl hätten
unterrichten können. Offensichtlich hat diese Kommunikation aus welchen Gründen
auch immer nicht stattgefunden, ansonsten wäre es wohl kaum zu dem
bedauerlichen Beschluß der Stadtverordneten zum Nachteil der betroffenen Bürger
gekommen?
Aus der Unternehmenspilosophie der Böhler Uddeholm
Deutschland der Mutter von Buderus Edelstahl:
Verantwortung "Wir übernehmen Verantwortung gegenüber unseren Kunden,
Mitarbeitern, Lieferanten sowie der Gesellschaft im Allgemeinen. Wir fördern
konsequent den Schutz der Umwelt sowie die Steigerung der Lebensqualität
unserer Beschäftigten"
Worttreue "Wir stehen zu unserem Wort. Die internen Abläufe bei
Böhler-Uddeholm basieren auf folgenden Grundsätzen: Wir
fördern offene und kontroversielle Diskussionen auf und zwischen allen
Entscheidungsebenen. Ist eine
Entscheidung gefallen, erwarten wir von allen Betroffenen, unbeschadet ihrer
persönlichen Meinung, konsequentes Handeln im Sinne dieser Entscheidung. Fehler
betrachten wir als notwendigen Bestandteil des Fortschritts. Wir tolerieren
diese unter der Voraussetzung der offenen Analyse und unter dem Aspekt der
Lernfähigkeit."
Könnnten die hier zitierten Selbstverpflichtungen der Grund
sein, daß der Konzern von einer Beteiligung an der Ersatzbrennstoff Wetzlar
GmbH & Co. KG abgesehen hat?
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