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Sehr
geehrter Herr Hauptvogel,
mit Interesse haben wir Ihre Äußerungen gelesen, die von
dem WNZ Redakteur Steffen Gross in dem Artikel vom Dienstag den 17. 4.
2007 widergegeben wurden.
Zunächst finden wir es grundsätzlich positiv, wenn sich
die Wetzlarer Stadtverwaltung überhaupt mit Fragen der Luftreinhaltung
beschäftigt. Die Verbesserung der Wetzlarer Luft ist eine der Hauptaufgaben,
des aus der Bürgerinitiative hervorgegangenen, eingetragenen, gemeinnützigen
Vereins "Reine Luft für Wetzlar". So hat
er in seiner Satzung verankert:
Vereinszweck und Ziele 1 Zweck
des Vereins ist die umfassende Förderung der öffentlichen Vorsorge,
Gesundheitserhaltung und Information. In diesem Sinne hat der Verein. Reine
Luft für Wetzlar das Ziel, a) neue Erkenntnisse in Wissenschaft und Forschung,
sowie neue Entwicklungen in Gesetzgebung, Rechtsprechung,
Fachverbänden, Verwaltung etc. bzgl. der Wirkungen und Wechselwirkungen von
Luftschadstoffen, sowie von Müllverbrennungsanlagen ausgehende Emissionen im
Besonderen, auf die Gesundheit und Besinnlichkeit von Menschen, Tieren und
Pflanzen, die biologische Vielfalt, den Boden, das Wasser, die Atmosphäre sowie
Kultur- und sonstige Sachgüter zu verfolgen, b) die Bevölkerung im Großraum Wetzlar über
Möglichkeiten der integrierten Vermeidung und Verminderung schädlicher
Umwelteinwirkungen durch Emissionen in Luft, Wasser und Boden unter
Einbeziehung der Abfallwirtschaft, um ein hohes Schutzniveau für die Umwelt
insgesamt zu erreichen, aktiv aufzuklären.
Im Rahmen unserer Aufklärungsarbeit
möchten wir uns einige Ihrer Äußerungen bestätigen lassen und bitten um die
Angabe der Quellen über Informationen, die von uns so bisher nicht aufzufinden
waren:
1. Welche Zahlen hat die Stadt dem hessischen
Umweltministerium für den Luftreinhalteplan zur Verfügung gestellt? Wir bitten
um Kopien des (der) entsprechenden Schreibens an das HMULF.
2. Nach unseren
Informationen existieren ausser den Daten der HLUG-Messstation in Niedergirmes
lediglich Modellrechnungen der Luftbelastung und darauf beruhende
Karten/grafische Darstellungen. Welche Informationen haben Sie über mobile
Messungen in belasteten Straßenzügen, Wohn und Waldrandgebieten Wetzlars? Wir bitten um die sofortige
Veröffentlichung aller vorliegenden Meßergebnisse und Belastungskarten.
3. Über welche
Meßdaten zur Hintergrundbelastung Wetzlars verfügen Sie? Welche Informationen
haben Sie über die von Ihnen genannten Verursacher dieser Hintergrundbelastung
in Ludwigshafen und dem Kölner Bereich? Wurde mit den dort zuständigen Behörden
Kontakt aufgenommen, um schnellstmöglich konkrete Maßnahmen zur Senkung des
inakzeptabel hohen Fremdeintrags einzuleiten?
4. Was den in Wetzlar selbst erzeugten Feinstaub angeht,
gehen Sie von einem Drittelmix Verkehr/ Industrie/ Hausbrand aus. Auf welche
Messungen und/oder Modellrechnungen beziehen sich diese Aussagen? Nach unseren
Informationen sollen 65 % der Emissionen in Wetzlar aus der Industrie stammen.
Wir haben zunächst nicht
bemängelt, daß Industrieanlagen überhaupt genehmigt werden, sondern, daß keine
Umweltverträglichkeitsuntersuchung dafür nötig befunden wurde, obwohl die
kürzlich genehmigten Anlagen im Belastungsgebiet liegen und uns es nicht
plausibel erscheint, daß das z.B. Schutzgut „menschliche Gesundheit“ der Wetzlarer Bürger nicht betroffen
sein soll. Durch die Entscheidung der Genehmigungsbehörde ist die
betroffene Bevölkerung jedenfalls von
der Beteiligung ausgeschlossen und damit von den Informationen bei einer UVP
Genehmigung vorgeschrieben Offenlegung der Genehmigungsunterlagen. Der § 1 des
Bundesimissionsschutzgesetzes verlangt jedenfalls „Menschen,
Tiere und Pflanzen, den Boden, das Wasser, die Atmosphäre sowie Kultur- und
sonstige Sachgüter vor schädlichen Umwelteinwirkungen zu schützen und dem
Entstehen schädlicher Umwelteinwirkungen vorzubeugen“. Regelungen zum
gebietsbezogenen Immissionsschutz umfassen auch die Einrichtung von
Luftreinhalteplänen zu diesem Zweck.
Wir vermissen seitens der Stadt Wetzlar ernsthafte
Bemühungen, die betroffenen Bevölkerung in ihrem Bestreben nach integrierten
Schutzmaßnahmen im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes zu unterstützen.
Eine Initiative zur Schaffung eines Umweltpaktes von
Industrie, Stadt und Bevölkerung vor und
bei der Umsetzung des Luftreinhalteplanes, könnte ein Signal für das Engagement für eine lebenswerte Stadt Wetzlar
sein.
Zu einem Gespräch stehen wir
gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
i.A.
Dr.Lutz Schimmelpfeng
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